Freitag, 10.05.2013

Buzkashi und ein paar Gedanken dazu

Buzkashi bedeute buz „Ziege“ und kashi „greifen“ dabei herauskommt ein Reiterspiel bei dem sich bis zu 100 Reiter und mehr um eine tote Ziege oder Schaf streiten. Das Ziel ist es eine von einem Auto willkürlich abgeworfene Ziege, auf dem Pferd sitzend vom Boden zu greifen und an einem vorgegebenen Ort abzulegen. Dieses Spiel hat keine wirklichen Regeln und keine Teams. Herauskommt ein heilloses Durcheinander bei dem mit allen Mitteln versucht wird die Ziege zu bekommen und gegen die anderen zu verteidigen. Zu Beginn des Spiels bildet sich um die abgeworfene Ziege herum meist ein großer Pulk, die Reiter prügeln auf sich und ihre Pferde ein bis einer die Ziege greifen kann und aus dem Pulk ausbricht (siehe Bilder).

Der Platz bei dem ich das Spiel beobachten durfte war in diesem Fall ein ausgetrocknetes Flussbett ca. 200 x 200m, umgeben von Hügeln auf denen sich die Zuschauer niedergelassen hatten. Die Reiter müssen, wenn sie die Ziege in ihre Gewalt gebracht haben irgendwie das Ziel erreichen egal wie, das bedeutet auch die Zuschauerränge werden mit einbezogen, es kommt vor das plötzlich 100 Reiter auf einen zurasen und man zusehen muss sich in Sicherheit zu bringen. Buzkashi ist ein riesen Spektakel bei dem jung und alt zusammen grölend, Schaschlik essend, Wodka trinkend den Reitern zuschauen. Buzkashi kann über den ganzen Tag gespielt werden und ist ein sehr prestigeträchtiges Ereignis, die Reiter sind sehr hoch angesehen unter der Bevölkerung und die vergebenen Preise können mitunter hoch sein.

Sich dieses Spektakel einmal anzuschauen kann ich nur jedem empfehlen auch wenn die Zusammensetzung des Spiels etwas gewöhnungsbedürftig ist. Mir ist da mal wieder der Unterschied zwischen Deutschland und Tadschikistan bewusst geworden und warum ich gerade sehr gerne hier Arbeite. Die Menschen hier sind durch den Staat und ihre limitierten finanziellen Möglichkeiten beschränkt in ihrem Leben ohne Frage aber hier wird nicht alles doppelt und dreifach abgesichert damit bloß nicht passieren kann hier ist noch gesunder Menschenverstand gefragt und schärfen deiner Sinne. In Deutschland wäre so ein Spiel allein schon wegen der toten Ziege nicht möglich ganz zu schweigen von den Bedingungen wo und wie dieses Spiel ausgetragen wird. Das Risiko das wirklich berechenbar ist macht die ganze Sache nochmal spannender und solche Momente interessanter. Ich möchte hier nicht dafür plädieren in Anarchie zu leben aber der Sicherheitsfanatismus in Deutschland nimmt Formen an die das Leben auch immer langweiliger werden lassen und uns Menschen der natürliche Instinkt abhandenkommt. In der Zeit in der ich das Spiel gesehen habe gab es beim FC. ST. Pauli ausgelöst durch Beanstandungen des DFB ein Wunderkerzenverbot im Fußballstadion, dazu fällt mir absolut nichts mehr ein und ich frage mich wo soll das noch hinführen.

NO RISK NO FUN!

Sonntag, 10.03.2013

Neuigkeiten aus Tadschikistan

 

Liebe Freunde,

 ich muss feststellen, dass ich schon seit 3 Monaten nichts mehr geschrieben oder neue Bilder hochgeladen hab, so kann natürlich kein vernünftiger Blog funktionieren. Das werde ich hiermit versuchen zu ändern.

 Ich habe im Dezember/ Januar einen längeren Aufenthalt in Deutschland gehabt und neben dem Urlaub eine zweiwöchigen Russisch Intensivkurs gemacht.                                Die Wintermonate sind hier meist sehr ruhig da die Mobilität eingeschränkt ist und aufgrund von niedrigen Temperaturen das Arbeiten in Büros bei schlechter Isolierung und unzureichender Wärmezufuhr äußerst unangenehm werden kann.

Vor der Winterpause war ich zwei Wochen im Pamir und hatte das Glück den Rückweg mit einem Hubschrauber machen zu dürfen. Die Aga Khan Fundation betreibt zwischen Duschanbe und Khorog einen Helikopter und wenn Platz ist nehmen die uns kostenlos mit. Dadurch hatte ich eine Reisezeit von 1 ½ Stunden statt 16 und einen beeindruckenden Rundblick auf Afghanistan und den Pamir (s. Seite).

 Nach meiner Rückkehr aus dem Winterurlaub ging es direkt nach Bishkek (Kirgistan) zu einem Workshops. Dort musste ich leider erfahren, dass aufgrund von Budgetkürzungen mein Vertrag nicht verlängert wird und ich wohl Mitte des Jahres wieder in Hamburg bin. Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen aber damit rechne ich z.Z..

 Die Arbeiten in den neuen Projektgebieten laufen auf Hochtouren, ich bin von Duschanbe nach Penjikent umgesiedelt und habe im Forstamt meinen neuen Arbeitsplatz bezogen. Ich habe mir einen lokalen Mitarbeiter gesucht, der mir bei der Arbeit in den Dörfern und im Forstamt helfen soll. Ich wohne in einer kleinen Wohnung, die vom Komfort und der Größe besser als die Wohnung in Duschanbe ist und nur ein 1/3 kostet, recht guter Deal.

 Wollte das eben hochladen bin dann aber doch erst nach Hause, sehe im Treppenhaus schon das extrem viel Wasser die Treppen runter läuft und denk mir schon nichts Gutes. In der Wohnung angekommen, tropft es wie verrückt von der Decke, der Schnee schmilzt auf dem Dach das hatte beim Bau wohl niemand eingeplant. Ich würde mal sagen Pfusch am Bau aber vom feinsten. Vielleicht ist die Wohnung doch nicht so gut wie ich dachte.

Naja, weiter im Text.

 Wir arbeiten in zwei Waldflächen die jeweils ca. 80 ha groß sind, die Flächen die an die Dorfbewohner vergeben werden sollen sind zwischen 0.8 und 1.2 ha groß. Die Qualität der Standorte ist sehr unterschiedlich und einige Vorbereitung ist notwendig bevor wir mit den Leuten eine Verteilung angehen können (Der Ansatz s. Seite).

 Die Wetterlage ist im Moment sehr wechselhaft so hatten wir am Mittwoch 25 – 30 °C, ab Donnerstagmorgen hat es dann bis Samstagfrüh 60 cm geschneit und die Temperaturen sind auf -4 °C gesunken, inzwischen sind wir wieder bei 15°C. Dies macht alle Aktivitäten schwer planbar da in den Dörfern bei derartigen Wetterlagen Ausnahmezustand herrscht und die Leute besseres zu tun haben als sich mit uns über ihren Wald zu unterhalten. Die Arbeiten im Wald müssen auch ruhen da man kaum in die Flächen kommt. Die Flächen müssen in ~1 ha große Parzellen zerlegt werden, was gar nicht einfach ist.

Wir hoffen, dass wir in der nächsten Woche weiterkommen da Pflanzaktivitäten bis Ende März abgeschlossen sein sollten, im April beginnt dann zusätzlich die Feldarbeit auf den Reisfeldern und die Leute sind beschäftigt. So viel ersteinmal dazu, schauen wir wie es weitergeht.

Also dann, bis die Tage und alles Gute.

Freitag, 28.12.2012

Über Weihnachten wenig los,.....aber!

 

Moin,

hier eine Idee, Impressionen aus Tadschikistan, unter "Weltmacht Tadschikistan" findet man einige kleine Videos.

http://www.youtube.com/watch?NR=1&v=DxL02jNCZj4&feature=endscreen

Beste Grüße

 

                      Alex

 

Samstag, 17.11.2012

Der Winter kommt und viel unterwegs

Wir suchen im Moment geeignete Aufforstungsflächen für ein großes Projekt das hier Ende nächsten Jahres beginnen soll. Um die Flächen beurteilen zu können muss man sie am besten gesehen haben, deshalb sind wir viel unterwegs in den verschiedenen Landesteilen um einen Plan der Flächen vorzubereiten. Einerseits spannend, andererseits nur unterwegs, seit meiner Rückkehr aus Deutschland im August war ich kaum eine Woche am Stück an einem Ort. Die Strecken sind zwar nur zwischen 300 und 600 km lang, was bei den gegebenen Straßenverhältnissen eine durchschnittliche Geschwindigkeit von 30 – 50 km/h bedeutet also kein Spaß. Werde demnächst mal die Infrastruktur vorstellen, glaube das hat ein eigenes Kapitel verdient. Dabei sollte nicht unerwähnt bleiben, das wir am Dienstag mit dem Hubschrauber der Aga Khan Foundation (der Aga Khan ist das lebende, geistliche Oberhaupt der Ismailiten, die Hauptbevölkerungsgruppe im Pamir) zurückfliegen werden, da hab ich schon richtig Bock drauf, hoffentlich hält das Wetter.

 Bin z.Z. in Khorog (2000m ü.NN, Pamir, s. Map) südöstlicher Teil Tadschikistans, viel Berge bis ~7500m. Der Winter kommt, die Temperaturen bewegen sich tagsüber um die 10°C, nachts wird es jetzt schon bis -5°C kalt, theoretisch halb so wild aber es gibt keine festinstallierten Heizungen, so das nur Heizlüfter oder Steckdosen Heizungen etwas Wärme bringen. Leider sind die Spannungen im Stromnetz ziemlich schwankend deshalb lässt man besser keine elektrischen Geräte in der Steckdose wenn man nicht dabei ist, könnte Feuer fangen. Dementsprechend sind die Büros relativ kalt am Morgen und werden dann erst langsam warm, gleiches gilt für das Haus in dem ich wohne nur das es nicht warm wird. In vielen Gebieten gibt es im Winter nur wenige Stunden am Tag Strom da wird dann mit allem geheizt was brennt. Eine vernünftige Isolierung wäre für beide Jahreszeiten ideal aber die gibt es nicht, wobei ich es noch gut habe da gibt es ganz andere Behausungen in denen die Menschen dem Winter trotzen. Im Großen und Ganzen sind die Häuser für den Sommer ausgerichtet und der Winter wird einfach so lange ignoriert bis er kommt.

In Dushanbe kann man Glück/Pech haben und ist an das zentrale Heizungssystem angeschlossen (was für uns nicht gilt). Ab Mitte Dezember wird dann die Heizung angestellt und Mitte Februar oder so wieder ausgestellt, keine Möglichkeit zu regulieren da hat man die ganze Zeit so 25 – 30°C in der Bude, ob das nun besser ist weiß ich nicht. Glücklicherweise ist das Büro der deutschen EZ normal temperiert, immerhin was.       

Das erstmal dazu, bis die Tage und einen kalten Gruß aus Zentralasien!

Alex

Donnerstag, 25.10.2012

Meine Situation: Ein kleiner Überblick

Nach meinem 6 monatigen Praktikum in Tadschikistan 2011 habe ich mich entschieden meine Arbeit hier als Junior Professional für die GIZ (Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit) fortzusetzen. Das Projekt "Forestry Sector Reform Project" eingebettet in das Regionalprogramm "Nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen in Zentralasien" startete zu Beginn 2012 eine neue 3 jährige Projektphase. Ich bin bereits seit Mai 2012 im Land und werde voraussichtlich bis Ende 2014 hier arbeiten.

Ich lebe z.Z. in der Hauptstadt Duschanbe zusammen mit meinem Kollegen Ben. Wir teilen uns im Zentrum der Stadt eine kleine Wohnung mit einigermaßen guter Wasser und Stromversorgung, mal sehen wie es im Winter wird, so langsam wird es kühler. Im Sommer kann man sich nach der Arbeit gut draußen treffen z.B. an der Oper wo es Bier und Schaschlik gibt. Die Oper ist ein Zentralerpunkt in der Stadt denn jeder der Dushanbe besucht gesehen hat. In den kühleren Monaten gibt es für die Abend oder Wochenendgestalltung durchaus akzeptable Bars und Restaurants wo man die recht überschaubare tadschikische Küche kurz vergessen kann. Für mich ideal ist das dreimal wöchentliche Fußballtraining, ich glaub so häufig hab ich seit meiner Aktivenzeit nicht mehr Fußball gespielt, perfekt. Insgesamt bin ich aber viel unterwegs und mindestens die Hälfte der Zeit nicht in Dushanbe. Das macht den Job sehr abwechslungsreich und ich komm viel rum. Inzwischen habe ich alle typischen Landesteile gesehen und muss sagen, dass dieses kleine Land nicht nur kulturell sondern auch landschaftlich unglaublich vielfältig ist (siehe Fotos). Aufgrund des Klimas muss man nur wissen zu welcher Jahreszeit welcher Landesteil bereist werden sollte. 

 

zu meiner Arbeit                                                                                                                                           Meine Aufgaben sind, die Erfahrung der letzten 6 Jahre aus dem Pilotprojekt im Pamir in anderen Landesteilen anzuwenden. Mein Arbeitsgebiet befindet sich nördlich von Duschanbe im Zerafshantal, in der Nähe von Panjakent (siehe Karte). Wir Arbeiten hauptsächlich in den flussbegleitenden Auewäldern (Tugaiwäldern), die ein enormes Wachstumspotenzial haben. Ziel der Arbeit ist, die Bevölkerung in den Erhalt der Wälder einzubeziehen in dem durch ein besseres Management eine kontrollierte Nutzung  ermöglicht werden soll. Die Waldgebiete stehen unter der Verantwortung der staatlichen Behörde Leshoz (Forstbehörde), die diese Wälder versucht komplett zu schützen. Dieser Ansatz funktioniert in vielen Gebieten nicht, da der Bedarf an Feuerholz hoch ist außerdem werden die Flächen für die Beweidung genutzt was eine Regeneration der Bestände dauerhaft verhindert.

Die submontanen Flusssysteme sind ein sehr dynamisches System, in dem nicht nur die Wasserstände extremen Schwankungen unterliegen sondern auch der komplette Flusslauf sich verändern kann. Deshalb sind diese Waldsysteme wichtig, sie schützen die angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen vor Hochwässern und Erosion außerdem können sie Bau- und Feuerholzlieferant sein und sind die Biodiversitäts-Hotspots Zentralasiens.

So das für den Anfang, versuche eine gewisse Regelmäßigkeit in die Aktualisierung des Blogs zu bekommen, schauen wir mal. Also dann, ich hoffe der ein oder andere hat ein bisschen Spaß meine Ausführungen zu begleiten und natürlich freu ich mich von Euch zu hören.

All the best

Alex